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Wissen

Rabattverträge der Krankenkassen: Leitfaden für Apotheken

Was sind GKV-Rabattverträge, wie oft wechseln sie — und was passiert, wenn die falsche Packung abgegeben wird?

Was sind GKV-Rabattverträge? Rechtsgrundlage § 130a SGB V

Gesetzliche Krankenkassen schließen gemäß § 130a SGB V Rabattverträge mit Arzneimittelherstellern ab. Apotheken sind verpflichtet, bei der Abgabe das Arzneimittel des jeweiligen Vertragspartners zu bevorzugen — sofern kein Aut-idem-Kreuz gesetzt ist und kein Lieferengpass vorliegt. Verstöße können zur Retaxation führen.

Wie viele Rabattverträge gibt es aktuell?

Mit Dutzenden gesetzlichen Krankenkassen und hunderten laufenden Rabattverträgen zu tausenden Wirkstoffen ist die manuelle Prüfung im Apothekenalltag praktisch unmöglich. Hinzu kommt: Verträge laufen aus, neue treten in Kraft — oft ohne dass die Apotheke aktiv informiert wird.

Was passiert, wenn kein Rabattvertragsarzneimittel abgegeben wird?

Nach aktuellem Recht ist eine Retaxation des abgegebenen Arzneimittels ausgeschlossen, wenn die Apotheke die vorgeschriebene Ersetzung durch das Rabattarzneimittel unterlassen hat; die Apotheke verliert dann den Festzuschlag nach § 3 Abs. 1 Satz 1 AMPreisV (§ 129 Abs. 4d Satz 2 und 4 SGB V). Gibt sie bei ordnungsgemäßer Verordnung ein anderes Arzneimittel ab, ist die Retaxation seit dem ApoVWG (2. Juli 2026) nur ausgeschlossen, wenn es mit dem verordneten in Wirkstärke und Packungsgröße identisch, für ein gleiches Anwendungsgebiet zugelassen und in gleicher oder austauschbarer Darreichungsform ist (Satz 3 Nr. 1) — sonst kann die Krankenkasse die Abrechnung vollständig ablehnen (Nullretaxation).

Wechselnde Laufzeiten: Die Gefahr des Vertragsablaufs am Abgabetag

Ein besonders tückisches Szenario: Der Rabattvertrag läuft genau an dem Tag ab, an dem das Arzneimittel abgegeben wird. Die Apotheke hat das bis dahin korrekte Präparat dispensiert, obwohl am Abgabetag bereits ein neuer Vertrag gilt. Eine Retaxation des Arzneimittels ist dann nur ausgeschlossen, soweit die Voraussetzungen von § 129 Abs. 4d Satz 2 oder 3 SGB V vorliegen; den Festzuschlag verliert die Apotheke trotzdem (Satz 4).

Ausnahmen: Aut-idem-Kreuz und Lieferengpass

Setzt der Arzt das Aut-idem-Kreuz, ist die Apotheke von der Substitutionspflicht befreit und darf das verordnete Präparat abgeben. Auch bei Lieferengpässen greift seit dem ALBVVG (2023) eine Ausnahmeregelung: Ist das Rabattarzneimittel nach zwei unterschiedlichen Verfügbarkeitsanfragen bei vollversorgenden Großhandlungen nicht verfügbar, darf die Apotheke auf ein verfügbares wirkstoffgleiches Präparat ausweichen (§ 129 Abs. 2a SGB V).

ALBVVG-Ausnahmen bei Lieferengpässen (neue Regelung ab 2023)

Das Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz erweitert die Möglichkeiten für Apotheken erheblich: Bei Nichtverfügbarkeit des Rabattarzneimittels darf die Apotheke auch außerhalb des Rabattvertrags abgeben (§ 129 Abs. 2a SGB V). Unterbleiben die vorgesehenen Verfügbarkeitsanfragen, ist die Retaxation des Arzneimittels zwar ausgeschlossen, der Festzuschlag entfällt aber (§ 129 Abs. 4d Satz 2 und 4 SGB V).

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