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Wissen

Aut-idem-Regel nach §129 SGB V: Was Apotheken wissen müssen

Substitutionspflicht, Kreuz-Regelung und häufige Fallen — vollständige Erklärung für den Apothekenalltag.

Was bedeutet „Aut-idem“? Rechtliche Grundlage §129 Abs. 1 SGB V

„Aut-idem“ ist Latein und bedeutet „oder das Gleiche“. Nach §129 Abs. 1 SGB V sind Apotheken verpflichtet, anstelle des verordneten Arzneimittels das preisgünstigste wirkstoffgleiche Präparat abzugeben — sofern ein Rabattvertrag der Krankenkasse des Patienten besteht und kein Aut-idem-Kreuz gesetzt wurde.

Wann muss die Apotheke substituieren — und wann nicht?

Die Apotheke muss substituieren, wenn:

  • Ein gültiger Rabattvertrag der Krankenkasse des Patienten besteht
  • Kein Aut-idem-Kreuz auf dem Rezept gesetzt ist
  • Das Rabattvertragsarzneimittel lieferbar ist

Die Apotheke darf nicht substituieren bzw. ist befreit, wenn:

  • Der Arzt das Aut-idem-Kreuz gesetzt hat
  • Das Rabattarzneimittel nach § 129 Abs. 2a SGB V nicht verfügbar ist (ALBVVG-Ausnahme)
  • Kein Rabattvertrag für den Wirkstoff besteht

Das Aut-idem-Kreuz: Was das Arzt-Kreuz bedeutet

Setzt der Arzt das Aut-idem-Kreuz auf dem Rezept, erklärt er damit, dass das verordnete Präparat zwingend abgegeben werden soll — ein Austausch ist nicht erlaubt. Dies kann medizinisch begründet sein (z. B. enge therapeutische Breite, Patientenpräferenz bei chronischer Medikation).

Häufige Fallen: Rabattvertrag läuft am Abgabetag aus

Ein besonders häufiger Retaxationsgrund: Die Apotheke gibt das Präparat eines Herstellers ab, dessen Rabattvertrag mit der Kasse des Patienten genau an diesem Tag ausläuft. Ab Mitternacht gilt ein neuer Vertrag eines anderen Herstellers — die Abgabe ist damit nicht mehr konform.

Was passiert bei falscher Aut-idem-Entscheidung?

Bei Abgabe des verordneten Originals trotz fehlendem Aut-idem-Kreuz und bestehendem Rabattvertrag ist eine Retaxation des Arzneimittels seit § 129 Abs. 4d Satz 2 SGB V ausgeschlossen; die Apotheke verliert aber den Festzuschlag nach § 3 Abs. 1 Satz 1 AMPreisV (Satz 4). Bei falscher Substitution — also Abgabe eines anderen Präparats trotz bestehenden Rabattvertrags — gilt dasselbe, wenn die Verordnung ordnungsgemäß ist und das abgegebene Arzneimittel mit dem verordneten in Wirkstärke und Packungsgröße identisch, für ein gleiches Anwendungsgebiet zugelassen und in gleicher oder austauschbarer Darreichungsform ist (Satz 3 Nr. 1). Andernfalls riskiert die Apotheke weiterhin eine Nullretaxation.

ALBVVG und neue Ausnahmeregeln bei Lieferengpässen

Seit 2023 schützt das ALBVVG Apotheken bei Lieferengpässen: Ist das Rabattvertragsarzneimittel nicht verfügbar, darf die Apotheke es gegen ein verfügbares wirkstoffgleiches Präparat austauschen (§ 129 Abs. 2a SGB V). Als nicht verfügbar gilt es nach zwei unterschiedlichen Verfügbarkeitsanfragen bei vollversorgenden Großhandlungen. Unterbleiben die Anfragen, ist die Retaxation des Arzneimittels zwar ausgeschlossen, der Festzuschlag entfällt aber (§ 129 Abs. 4d Satz 2 und 4 SGB V). Die Dokumentation der Anfragen ist deshalb entscheidend.

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