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Apothekenrecht3 Min. Lesezeit

Aut-idem-Kreuz richtig setzen: Wann dürfen Apotheken substituieren?

Das Aut-idem-Kreuz entscheidet, ob eine Apotheke substituieren darf oder muss. Was bedeutet es — und welche Fehler führen zur Retaxation?

Aut-idem§129 SGB VRabattvertragSubstitutionRetaxation

Die Aut-idem-Pflicht in §129 Abs. 1 SGB V

Apotheken sind nach §129 Abs. 1 SGB V verpflichtet, bei GKV-Rezepten das preisgünstigste Arzneimittel mit demselben Wirkstoff abzugeben — sofern ein Rabattvertrag der jeweiligen Krankenkasse besteht und kein Aut-idem-Kreuz gesetzt wurde.

Diese Regelung soll die GKV-Ausgaben senken, schafft aber für Apotheken erhebliche Prüfpflichten: Welche Kasse hat mit welchem Hersteller einen Vertrag? Ist dieser Vertrag heute noch gültig?

Was passiert, wenn kein Kreuz gesetzt ist?

Fehlt das Aut-idem-Kreuz, muss die Apotheke das Rabattvertragsarzneimittel der Krankenkasse des Patienten abgeben — sofern eines existiert und lieferbar ist. Gibt die Apotheke stattdessen das verordnete Originalpräparat ab, droht eine Retaxation.

Was passiert, wenn der Arzt das Kreuz setzt?

Setzt der Arzt das Aut-idem-Kreuz, erklärt er: Dieses Präparat muss abgegeben werden — kein Austausch. Die Apotheke ist dann von der Substitutionspflicht befreit und darf das verordnete Präparat abgeben, ohne eine Retaxation befürchten zu müssen.

Ärzte setzen das Kreuz aus medizinischen Gründen: enge therapeutische Breite (z. B. Immunsuppressiva, Antiepileptika), Patientenpräferenz bei Dauermedikation oder bekannte Unverträglichkeiten mit bestimmten Hilfsstoffen.

Sonderfälle: Lieferengpass, Importarzneimittel, wirkstoffgleiche Präparate

Lieferengpass: Seit dem ALBVVG (2023) darf die Apotheke ein nicht verfügbares Arzneimittel gegen ein verfügbares wirkstoffgleiches Präparat austauschen (§ 129 Abs. 2a SGB V). Als nicht verfügbar gilt es nach zwei unterschiedlichen Verfügbarkeitsanfragen bei vollversorgenden Großhandlungen; unterbleiben die Anfragen, ist die Retaxation des Arzneimittels zwar ausgeschlossen, der Festzuschlag entfällt aber (§ 129 Abs. 4d Satz 2 und 4 SGB V).

Importarzneimittel: Bei der Aut-idem-Entscheidung muss auch geprüft werden, ob ein preisgünstigerer Import eines Originalarzneimittels dem Rabattvertragsarzneimittel vorzuziehen ist. Die Rangfolge ist gesetzlich geregelt und komplex.

Wirkstoffgleiche Präparate ohne Rabattvertrag: Gibt es kein Rabattvertragsarzneimittel, kann die Apotheke aus den wirkstoffgleichen Alternativen wählen — orientiert am Festbetrag und an Wirtschaftlichkeitsvorgaben.

Häufige Fehler und ihre Retaxationsfolge

  • Rabattvertragsarzneimittel abgegeben, obwohl Aut-idem-Kreuz gesetzt war → Retaxation möglich
  • Originalpräparat abgegeben trotz fehlendem Kreuz und bestehendem Rabattvertrag → keine Retaxation des Arzneimittels, aber Wegfall des Festzuschlags (§ 129 Abs. 4d Satz 2 und 4 SGB V)
  • Rabattvertrag bereits abgelaufen, aber noch altes Präparat abgegeben → Retaxation möglich
  • Verfügbarkeitsanfragen bei Lieferengpass nicht vorgenommen → keine Retaxation des Arzneimittels, aber Wegfall des Festzuschlags (§ 129 Abs. 4d Satz 2 und 4 SGB V)

So prüft Retax-Shield die Aut-idem-Entscheidung automatisch

Retax-Shield kennt den aktuellen Rabattvertragsstand jeder Krankenkasse — tagesaktuell. Bei der Rezeptprüfung zeigt die Software sofort an, welches Präparat abgegeben werden muss, ob ein Aut-idem-Kreuz berücksichtigt ist und ob Lieferengpässe bekannte Ausnahmen erlauben.

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